[Comics] Warum gerade Comics !?
»Warum eigentlich gerade Comics?«
Wenn ich von Comics rede meine ich hier nicht die Comics für ein jüngeres Publikum, wie Walt Disney, Simpsons und Konsorten. Auch Mangas sind hiervon ausgenommen, da sie für meinen Geschmack zu wenig optisch orientiert sind (die zugehörigen Animes relativieren dies aber häufig wieder ob ihrer grafischen Opulenz, sind aber nicht das Thema). Vielmehr geht es hier um Serien wie X-Men, anhand derer ich ein wenig versuchen werde zu Illustrieren, warum ich gerade Comics so sehr mag.
Denn Comics leiden darunter, dass die meisten anderen Medien gesellschaftlich angesehener sind: Literat, Cineast, Musikliebhaber - klingt alles besser als Comicliebhaber, oder?.
Doch der Comic als Medium vereint das Beste seiner Geschwistermedien in sich:
Komplexität der Handlung
( = Cliffhanger, Seifenoper, verschiedene Storylines)
Die wenigsten wissen, wie vielschichtig eine Serie wie X-Men ist. Grundsätzlich gibt es immer mindestens zwei Hauptserien. Ein aktuelles Heft erscheint alle 4 Wochen, bei zwei Serien hat man also alle zwei Wochen ein neues Heft. Grundsätzlich sind die Handlungsstränge der Serien aber unabhängig. Nur bei großen Ereignissen treffen sich diese, dafür aber umso mächtiger.
Grandios auch, dass das X-Men Team so groß ist, dass immer der eine oder andere Charakter a) stirbt, b) auf Selbstfindungstrip ist oder sich c) in Form eines Spezialauftrages in Europa herumtreibt.
Da der »reine« Superheld heutzutage die Leute langweilen würde, haben die meisten X-Men auch noch einen Haufen Probleme (Stichwort: Seifenoper). Helfend kommt hierbei hinzu, dass die X-Men als Mutanten natürlich eine Randgruppe sind.
Daraus resultiert eine Komplexität der Handlung wie man sie sonst nur in Büchern oder auf Fortsetzungsepisoden angelegten Serien findet. Serien wie sie seit den 90ern populär geworden sind (Akte X, Lost, Heroes) haben sich auch von Comics inspirieren lassen - wenn auch nicht nur im Positiven: Der klassische "Cliffhanger" am Ende einer Serienfolge ist das klassische Metier der Comics. Mal geschätzte drei von vier X-Men Hefte hören so auf. Man soll sich das nächste Heft ja auch immer noch kaufen (was man als Fan der Serie ja eh tut).
Opulenz der Optik
( = unerreichte Dynamik, Unterstreichung der Handlung, Schlüssel zur Atmosphäre)
Je nach Comictyp unterscheidet sich der Zeichenstil ganz deutlich, und auch innerhalb einer Serie wie X-Men sind zahllose Stile und Styles vertreten gewesen. Die Kampfszenen gehören aber meist zum besten was der Comicmarkt zu bieten hat, und man kann sich nicht selten eine kleine Ewigkeit in den Panels verlieren.
Aber natürlich wäre das alles reiner Selbstzweck ohne die Story die dahintersteht.
So gesehen kommt der Optik hier die Rolle zu, die Story zu unterstützen. Sei dies nun durch Schlachten in epischer Breite oder durch stark stylisierte Strichführung, die mehr Platz für Interpretationen des Gefühlslebens der Figuren lässt.
Genau hier spielt der Comic auch seine volle Stärke aus:
Genau wie der Film lebt er von Einstellungen, aber ist nicht an die Bewegung der Bilder gebunden. Jedes Panel kann als eigene grandiose Einstellung dienen, gleichzeitig kann die schnelle abfolge mehrerer Panels aber eine ähnliche Dynamik wie ein Film erzeugen.
Das kann soweit gehen, dass sich einige Comics wie ein Storyboard lesen (das ist zum Beispiel bei Frank Millers »Sin City« der Fall, zu dem ich demnächst auch noch bloggen werde).
Zum Schluss noch einmal die Eingangsfrage:
»Warum eigentlich gerade Comics?«
Weil sie aus dem vollen Fundus der Medienformate Buch, Film und Serie schöpfen und einem mit unerreichter Komplexität, Bildgewalt und Originalität überraschen.
Das einzig traurige daran ist, dass Comics immer viel zu schnell zu Ende gelesen sind - und man sich kaum über sie unterhalten kann, weil die wenigsten sie kennen und sie ein sehr kostenintensives Hobby sind.
Trotzdem: Einige Comics haben es verdient, dass über sie gebloggt wird, und das werde ich in den nächsten Wochen tun.
Bild oben: Xorn, einer der neueren X-Men, gezeichnet von Frank Quietly
3 Comments:
Super, eine Themenserie. Bin richtig gespannt auf das was du darüber so bloggst.
Ich selbst hab' irgendwie keinen Hang zum Comic als Hobby, was mich aber nicht davon abhält mein Halbwissen darüber zu vergrößern, oder es zumindest zu versuchen.
Rock and Roll! Comics. Mjamm Mjamm. Besonders spannend finde ich ja die unterschiede zwischen den unterschiedlichen kontinetalen Schule. Traditionell bin ich ja eigentlich eher Liebhaber der europäischen Comics und will mal schauen, ob wir da nicht was parallel machen können ...
Amerika vs. Europa .... ja ben_, das könnte interessant werden :)
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